ACUROL-N auf Abwegen

Experimentelle Negativentwicklung mit SPUR Straight Black und ACUROL-N

Ich möchte voranstellen, dass es mir bei meinen Arbeiten darauf ankommt, das Medium Film zu einem Teil des späteren Bildes zu machen. Folglich gehören Korn, Kratzer und Staub für mich zur Bildgestaltung dazu. Was ich konkret damit meine, kann man meinem Blog Simple Unclean entnehmen.

Am Anfang war es reine Neugierde. Zum einen liest man in der Literatur, dass sich Positiv- und Negativentwickler vom Prinzip her nicht unterscheiden, es sogar entsprechende Universalentwickler gab bzw. gibt. Auf der anderen Seite muss es Unterschiede geben, nur wie sehen sie konkret aus? Diese Frage hat mich dazu bewegt, unter anderem mit dem SPUR Straight Black und ACUROL-N abseits der Norm zu experimentieren.

Angetrieben durch die Versuche von Sebastian Kobs (www.lauter-als-der-rest.de), seine Negative im SPUR Straight Black zu entwickeln, wollte ich selbst Versuche wagen. Der Film, ein Ilford HP5 Plus, war eher zufällig gewählt. Die Porst Carena Micro belichtet ihn entsprechend seiner Nominalempfindlichkeit. Nach dem Scannen war ich von dem Ergebnis angenehm überrascht. Der Film, in meinen Augen normalerweise eine feine Dame, zeigte ein Verhalten, das dem Push um drei Blendenstufen und der Entwicklung in einem Rodinal-Derivat entspricht.

Foto: Ronald Puhle
Ilford HP5 Plus, entwickelt mit SPUR Straight Black 1+15, 5 Minuten bei 23°C, Kipp-Rhythmus nach Ilford

Derart vom Ergebnis angestachelt, folgten weitere Versuche, unter anderem mit dem Agfa APX 100 und dem Fujifilm Neopan 100 Acros. Die Negative zeigten ein ähnliches Verhalten, wenn auch nicht so ausgeprägt wie beim HP5 Plus. Der Schritt, den SPUR Straight Black mit ACUROL-N zu kombinieren, entsprang der Überlegung, den Positiv- entwickler minimal aufzuwerten und die Negative etwas detailreicher zu entwickeln. Da der SPUR Straight Black kein „spezialisierter“ Negativentwickler ist [SPUR Straight Black ist ein neuartiger Papierentwickler mit kühlem neutralschwarzem Bildton], bin ich davon ausgegangen, dass die Kombination keinen negativen Einfluss auf die Entwicklungsleistung hat. Für das nachfolgende Foto wurden 10 Teile SPUR Straight Black um einen Teil SPUR ACUROL-N ergänzt.

Agfa APX 100, entwickelt in SPUR Straight Black und ACUROL-N 10+1, 3 Minuten bei 23°C

Eine weitere Überlegung war, Caffenol C mit ACUROL-N zu kombinieren. Auch hier war der Grundgedanke, die kontrastreiche Entwicklung in den Details zu verbessern. Da die Entwicklungszeit bei Caffenol im Vergleich zur Straight Black-Entwicklung länger ist, verwende ich einen Ansatz von 300 Teilen Caffenol C und einem Teil ACUROL-N (Kipp-Rhythmus nach Ilford).

Agfa APX 100, entwickelt in Caffenol C und ACUROL-N 300+1

Die hier genannten Zusammensetzungen entstanden nicht durch Belichtungsreihen oder ähnliches. Vielmehr habe ich bekannte Zeiten aus der Massive Dev Chart übernommen und auf meine Bedürfnisse abgeändert. Erwähnt werden sollte, dass ich hier in Berlin mit hartem Wasser zu kämpfen habe und die Negative digital weiterverarbeite. Das heisst jedoch nicht, dass die gezeigten Ergebnisse einer aufwändigen Ebenenakrobatik in Photoshop entsprungen sind.

Ronald Puhle

www.ronaldpuhle.de

 

Ein Kommentar zu “ACUROL-N auf Abwegen
  1. RoPu sagt:

    Ich möchte noch ergänzen:

    Normalerweise legt sich bei der Caffenol C-Entwicklung ein mehr oder minder starker Grauschleicher über das Negativ. Bei meinen Entwicklungen mit Caffenol C + Acurol N trat dieser Effekt nicht mehr so stark auf!

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