Pushen mit ACUROL-N

Ich wollte die Gelegenheit nutzen und eine Anfrage stellen, ob Sie nicht mal ein paar Zeiten im Push-Bereich für den Tri-X austesten könnten?

Mir ist in der Tabelle für die Zeiten aufgefallen, dass immer nur die Nennempfindlichkeit oder im leichten Pull Angaben verfügbar sind. Der Entwickler ist doch auch für den Push-Bereich geeignet, oder?

Heribert Schain: Obwohl es sich bei ACUROL-N nicht um einen ausgesprochenen Pushentwickler handelt, sondern um einen Universalentwickler, der feinste Tonwerte aus dem Negativ herausholen kann, ist natürlich Pushen möglich.

Wir werden die Werte für 1 Blende Push für den Tri X ermitteln und auf unserer Webseite veröffentlichen. Bitte lesen Sie zu diesem Thema auch unseren neuen Fachartikel Zonensystem und einfache Belichtungsmessung, der soeben auf unserer Webseite veröffentlicht wurde.

Als Spezialentwickler zum Pushen empfehlen wir den Entwickler Spürsinn HCD new, der von SPUR entwickelt wurde und in unserem Hause hergestellt wird. Auch SPUR SLD ist ein Spezialentwickler (zur optimalen Ausnutzung der Filmempfindlichkeit), mit dem man unter anderem gerade den Kodak Tri-X ausgezeichnet pushen kann, und der auch bei einer Steigerung der Empfindlichkeit von 1 bis 2 Blenden bei diesem Film noch hervorragende Tonwerte liefert.

Zitat: „obwohl es sich bei ACUROL-N nicht um einen ausgesprochenen Pushentwickler handelt“

Da lese ich aber auf Ihrer Webseite etwas ganz anderes: Extreme Langlebigkeit des Entwicklerkonzentrats, hohe Wirtschaftlichkeit, maximale Variabilität des erreichbaren Bildausdrucks, Feinkörnigkeit, optimale Schärfe des Negativs, ausgewogene Gradationskurve mit konsistenter Grauwertabstufung in allen Bereichen, sowie gute Push-Eigenschaften waren Ziel der Produktentwicklung von ACUROL.

Heribert Schain: ACUROL-N ist ein Universalentwickler, der unter anderem gute Push-Eigenschaften aufweist.

Anbei unsere Pushwerte für Tri X/ ACUROL-N (einfache Belichtungsmessung):

ISO 640/26°: Verdünnung 1 + 24, Temperatur 20° C, Entwicklungszeit 12 min, Kipp erste 30 sec permanent, danach jede min 1x.

ISO 1000/28°: Verdünnung 1 + 24, Temperatur 20° C, Entwicklungszeit 16 min, Kipp erste 30 sec permanent, danach 3 min nicht bewegen (Standentwicklung), ab dann jede min 1x.

Im Zonensystem enspricht die erste Entwicklung einer Empfindlichkeit von ISO 400/27°, kombiniert mit einer N + 1 Entwicklung. Die zweite Entwicklung entspricht einer Empfindlichkeit von ISO 400/27°, kombiniert mit einer N + 2 Entwicklung.

Die Werte werden in Kürze auf unserer Webseite veröffentlicht.

Vielen Dank für die Werte. Ich hätte da zwei neue Anliegen:

In meiner 250 ml Flasche Acurol-N hat sich eine nicht geringe Menge an Flocken gebildet. Muss ich mit einer veränderten Entwicklung rechnen oder haben diese keine weiteren Auswirkungen?
Im Datenblatt ist für den Film Adox Silvermax eine Zeit fürs Zonensystem angegeben. Mich verwundert das etwas, weil der Silvermax ja nur als Kleinbild verfügbar ist und da eigentlich keiner das Zonensystem verwendet. Wie kommt es dazu?

Heribert Schain: zu Frage 1: Es können sich bei SPUR ACUROL-N einige Flocken ablagern. Diese gehen jedoch durch Schütteln sofort wieder in Lösung. Einen Einfluß auf die Entwicklungsergebnisse gibt es hierdurch nicht.

zu Frage 2: Der Adox Silvermax ist nach dem Zonensystem eingetestet worden, weil die N-Entwicklung nach Zonensystem auch den normalen Kontrast bei einfacher Belichtungsmessung liefert. Der einzige Unterschied besteht in der etwas strengeren Bewertung der Empfindlichkeit.

Es gibt keine genauere Methode, um eine Film-Entwickler-Kombination hinsichtlich Kontrast und Empfindlichkeit einzutesten.

Früher erfolgte die Eintestung bei uns durch ein Sensitometer, das jedoch von uns selbst geeicht werden mußte. Da die Werte bei Verwendung dieses Sensitometers wesentlich ungenauer sind (die Messung kann nur auf dem Film ohne Berücksichtigung des für den Print verwendeten Vergrößerers erfolgen), testen wir inzwischen alle Filme nur noch nach dem Zonensystem ein.

Ich empfehle Ihnen auch hierzu die Lektüre meines Artikels Zonensystem und einfache Belichtungsmessung auf der SPUR Webseite, in dem auch genau beschrieben wird, wie ein Film eingetestet wird.

Wenn Sie diese Werte (z. B. beim Adox Silvermax) zunächst als Anhaltswerte für Ihren Film verwenden, können Sie danach natürlich nach Ihrem persönlichen Geschmack sowie auch nach den Spezifikationen Ihrer Fotoausrüstung eine andere Empfindlichkeit zugrunde legen und zum Pushen oder Pullen die Entwicklungszeit entsprechend verändern.

Die Methode, die Filme nach dem Zonensystem einzutesten/ nach Zonensystem-Zeiten zu entwickeln, auch wenn nicht nach Zonensystem belichtet wird, hat sich bei professionellen Fotografen ganz allgemein eingebürgert, und zwar deshalb, weil Empfindlichkeiten und Entwicklungszeiten, die von den Filmherstellern angegeben werden, oft „jenseits von Eden“ liegen. Die Eintestung nach dem Zonensystem für N-Entwicklung hingegen liefert eine saubere Empfindlichkeitsbewertung bei mittlerem Kontrast.

Außerdem kann auch bei Verwendung von Kleinbildfilmen nach Zonensystem belichtet werden, wenn z. B. ein ganzer Film in kurzer Zeit für ein Thema durchfotografiert wird, wenn sich dabei Lichtverhältnisse und Motivkontrast nicht sonderlich ändern.

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