Auf den Strich gekommen

Experimentelle Hochkontrastentwicklung mit dem Reproentwickler SPUR Docu SHC

Mir wird eine Flasche SPUR Docu SHC zugespielt. Beim Inhalt handelt es sich um einen Dokumentenfilm- oder auch Hochkontrastentwickler. [SPUR Docu SHC ist ein Reproentwickler für SPUR DSX Film/ Agfa Copex Rapid und SPUR Orthopan UR Film/ Agfa Copex HDP.] Er kennt eigentlich nur Schwarz und Weiß, andere sagen zu dieser Spezies Fotochemie auch Strichentwickler. Der Fotograf besteht normalerweise auf eine Halbtonentwicklung. Beruflich ist Hochkontrast auch ein Thema für mich. Maskenentwurf für unsere Technologen, Hellfeld, Dunkelfeld, in Summe über die Fläche möglichst ausgewogen (50% Schwarz, 50% Transparenz), minimale Strukturweiten und so weiter.

Da ist eine neue (alte) Kamera – Nikon F70 – und der schon lang gehegte Wunsch, das digitale Fisheye Walimex Pro 8mm/3.5 anzusetzen, mit den Abbildungseigenschaften und den zu erwartenden Randabschattungen zu spielen. Das abartig anmutende Fotografieren mit der Sicht eines DX-Fischeyes auf Vollformat-Zelluloid ist reine Effekthascherei. Sie bedarf des besonderen Filmes und einer aussergewöhnlichen Entwicklung: Rollei Ortho 25 (KB) im SPUR Docu SHC!

Bei der Belichtung lasse ich mir von der F70 mittenbetont helfen und gebe immer einen Strich mehr Licht auf den Film. Das liefert etwas mehr Details, selbst wenn ich Gefahr laufe, dass der Docu SHC sie förmlich wieder zukittet. Wie im Datenblatt beschrieben (1+9) werde ich den Entwickler nicht anwenden. Ich lege mich auf 1+20 für die Arbeitslösung und meine geliebten 23° C fest. Nach Bauchgefühl nebst waghalsigen Überschlagsrechnungen komme ich im Agfa-Rhythmus auf 7 Minuten Entwicklungszeit.

Bei jedem Negativ nimmt sich der Scanner Zeit für eine Mehrfachbelichtung. Die JPG-Variante wähle ich hart im Kontrast. Den wahren Spielraum und vor allem die Qualität der Negative zeigt das DNG – Nicht-Bild.

Rollei Ortho 25 in SPUR Docu SHC entwickeltJPG-Variante

Die DNG VarianteVariante im DNG-Format

Die Möglichkeit, aus den Rohdaten immer wieder ein neues Bild zu rechnen und dabei alle Register der digitalen RAW-Verarbeitung ziehen zu können, ist einfach – ich lasse mich zu einem Superlativ hinreissen – genial. Ich muss an der Stelle gestehen, dass für die Härte à la JPG aus dem DNG einige Klimmzüge notwendig sind.

Selbstportrait vor Treppe

Selbstportrait vor Treppe
Kamera: Nikon F70
Film: Rollei Ortho 25, SPUR Docu SHC 1+20

Ronald Puhle

www.ronaldpuhle.de

 

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