Bildmäßige Entwicklung von Dokumentenfilmen: Probleme beheben

Ein Hinweis für Anwender

SPUR hat sich in den letzten 25 Jahren intensiv mit der bildmäßigen Entwicklung von Dokumentenfilmen beschäftigt und diese für die bildmäßige Fotografie erschlossen. Dies war nur durch eine äußerst sorgfältige Abstimmung zwischen den Filmemulsionen der Dokumentenfilme und einen hierfür speziell konzipierten und entwickelten Entwickler mit einer komplexen Zusammensetzung möglich. Hierbei wurden bislang bestehende technische Grenzen überschritten und damit neue Anwendungsmöglichkeiten für Dokumentenfilme eröffnet. Beispiele hierfür sind sowohl die Empfindlich- keitssteigerungen der Dokumentenfilme, die erst einen normalen Einsatz für Außenaufnahmen ermöglichen, als auch die Ausnutzung der hohen Auflösung der Dokumentenfilme. Herausragendes Ereignis war hier der 2006 von SPUR mit Carl Zeiss in Oberkochen erzielte Hochauflösungs-weltrekord für Dokumentenfilme, bei dem erstmals eine Auflösung von 400 Linien erzielt werden konnte.

Trotz dieser erzielten Erfolge stößt die Feinabstimmung von Filmemulsion und Entwickler an technische Grenzen, die sich unter bestimmten Umständen durch Bildfehler und Schlieren bemerkbar machen können:

1.) Das Flächenproblem

Die fehlerfreie Entwicklung von Dokumentenfilmen ist umso schwieriger, je größer die zu entwickelnde Fläche ist. Dies macht sich dadurch bemerkbar, daß bei größeren einheitlichen Grauflächen Schlieren auftreten, d.h. die von SPUR entwickelten und hergestellten gängigen Entwickler für Kleinbildfilme, ADOX ADOTECH und SPUR Nanospeed, Nanospeed UR und Dynamospeed [ehemalige SPUR-Entwickler für Dokumentenfilme], waren nicht ohne weiteres zur Entwicklung von Rollfilm geeignet, insbesondere dann, wenn bei diesen größere zusammenhängende Grauflächen auftauchten. Dieses Problem ist inzwischen von SPUR gelöst worden.

Im Zuge der Kooperation ADOX (Film) – SPUR (Entwickler) wurde von SPUR der neue Entwickler ADOX ADOTECH II für die ADOX CMS Filme konzipiert und entwickelt, mit dem problemlos auch der Rollfilm entwickelt werden kann. Auch die Entwicklung großflächigerer CMS 20 Formate (Planfilm) in der Schale ist bei Einhalten bestimmter Verfahrensvorschriften möglich.

Für die Dokumentenfilme von SPUR (SPUR DSX, SPUR Orthopan UR) wurde als Nachfolger der bisherigen o. a. Entwickler das SPUR Modular Verfahren eingeführt, womit ebenfalls eine problemlose Entwicklung der jeweiligen Rollfilme ermöglicht wird.

2.) Das Wasserproblem

Beim Einsatz von normalem, weichem Leitungswasser treten in der Regel keine Probleme auf, beim Einsatz von hartem Wasser und insbesondere bei chloriertem oder fluoriertem Wasser werden der Arbeitslösung jedoch Anionen hinzugefügt, die den Entwicklungsprozeß bei Dokumentenfilmen wesentlich empfindlicher stören können, als dies bei der Entwicklung von konventionellen Filmen geschieht. Dies liegt an der monodispersen Kornverteilung der Dokumentenfilme, wodurch die Entwicklungs- dynamik bei Dokumentenfilmen wesentlich anders abläuft als gewohnt. Daher kann die Verwendung von chlorierten oder fluoriertem Wasser zum Auftreten von Bildfehlern und Schlieren führen.

Um auf der sicheren Seite zu sein, empfiehlt daher SPUR bei der Entwicklung von Dokumentenfilmen mit SPUR Modular UR oder mit ADOX ADOTECH II den Einsatz von entmineralisiertem oder destilliertem Wasser.

Eine Überprüfung durch SPUR hat ergeben, daß die in einigen Städten (z. B. Berlin) aufgetretenen Entwicklungsprobleme durch unverträgliche Wasserzusammensetzungen für Arbeitslösungen durch Einsatz von destilliertem bzw. entmineralisiertem Wasser völlig beseitigt werden konnten.

3.) Probleme mit Emulsionsschwankungen und Emulsionsfehlern

Aufgrund langjähriger Untersuchungen an unterschiedlichen Filmchargen hat SPUR festgestellt, daß bei gleicher Filmbezeichnung Emulsionsschwankungen auftreten, so daß zur Entwicklung eine Neuabstimmung der eingesetzten und von SPUR entwickelten Dokumentenentwickler erforderlich ist. Es wurde auch festgestellt, daß Emulsionsfehler bzw. Ein- oder Ablagerungen zu unentwickelten, winzigen weißen Punkten im Negativ führen können. Um die hohe Qualität der Entwickler ADOX ADOTECH II und SPUR Modular UR aufrechtzuerhalten, überprüft SPUR im Rahmen der Qualitätssicherung die Funktionalität der Entwickler mit unterschiedlichen Filmchargen. Hierzu hat sich SPUR auch im Zusammenhang mit der Kooperation ADOX (Film) – SPUR (Entwickler) verpflichtet.

4.) Gradationsanpassung bei der Verwendung von SPUR Modular UR

Normalerweise kann bei konventionellen Entwicklern durch Verkürzung bzw. Verlän- gerung der Entwicklungszeiten eine Gradationssteuerung zumindest im Bereich von N – 2 bis zu N + 3 erfolgen. Wegen der neuartigen schlierenfreien Entwicklung, die wegen der Rollfilmtauglichkeit sowohl beim Adotech II wie auch beim Modular UR Verfahren eingeführt wurde und eine wesentlich andere Entwicklungsdynamik zur Folge hat, ist dies jedoch bei der Entwicklung von Dokumentenfilmen in diesem Ausmaß nicht mehr möglich.

Eine Steuerung der Gradation durch Veränderung der Entwicklungszeit läßt sich daher beim ADOX ADOTECH II lediglich im Bereich zwischen N-Entwicklung für Kondensor und N-Entwicklung für Diffusor vornehmen, was wegen des hohen Belichtungsspiel- raums dieses Verfahrens in den allermeisten Fällen ausreicht.

Um trotz der durch die neuartige schlierenfreie Entwicklung veränderten Entwicklungs- dynamik eine bessere Gradationssteuerung zu ermöglichen, hat SPUR den Zwei- Komponenten-Entwickler SPUR Modular UR entwickelt, mit dem eine Gradations- steuerung bis zu N + 2 für Diffusor und mindestens bis zu N + 3 für Kondensor ermöglicht wird. Hierzu werden beim Ansatz die jeweiligen Mengen Part A und Part B verändert.

Hierzu gilt folgende Faustregel: Eine höhere Menge Part A sowie eine geringere Menge Part B steigert den Kontrast, eine geringere Menge Part A und eine höhere Menge Part B reduziert den Kontrast. Man kann hier entweder einen Parameter oder beide Parameter auf einmal ändern. Allerdings muß in diesem Zusammenhang beachtet werden, daß bei einer zu geringen Menge Part B die Empfindlichkeit sinken und eventuell die Schlierengefahr wieder ansteigen kann. Bei einer zu hohen Menge Part B ist die Bildung von Silberschlamm auf dem Film möglich. Daraus folgt, dass eine Kontrastveränderung außerhalb der von SPUR angegebenen Ansatzverhältnisse primär durch Veränderung der Menge von Part A erfolgen sollte.

Wer unsicher ist, welcher Kontrast bei der Entwicklung eigestellt werden sollte, dem wird im Zweifelsfalle empfohlen, einen höheren Kontrast (Diffusorkontrast) einzustellen. Diffusorgeräte sind weiter verbreitet als Kondensorgeräte, außerdem ist für das hybride Arbeiten (Scannen) ebenfalls ein höherer Kontrast besser geeignet. Zudem verliert man wegen des ungewöhnlich hohen Belichtungsspielraums des SPUR Modular Verfahrens auch bei höherem Kontrast keine Grauwerte. Aus dem gleichen Grund sind N-Minus-Entwicklungen normalerweise nicht erforderlich.

Dipl.-Ing. Heribert Schain und Dr. Wolfgang Heidrich

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*