Erste Eindrücke mit SPUR Ultraspeed Vario

Als Heribert Schain mich gefragt hat, wie ich mit dem neuen SPUR Ultraspeed Vario zurande komme, habe ich die Gelegenheit beim Schopf ergriffen, hier erste Erkenntnisse zu veröffentlichen, obwohl ich Ultraspeed Vario für die Nachtfotografie bisher noch nicht getestet habe: dies werde ich nächsten Herbst wohl nachholen können. Mein vorläufiger Eindruck besteht darin, dass SPUR Ultraspeed Vario schönere Tonwerte hervorbringt und mir sowohl mit Hinblick auf meine Arbeitsweise als auch auf die Ergebnisse meiner Arbeit mehr Flexibilität verleiht, als der bisher von mir verwendete Spürsinn HCD new.

Was ich an HCD new hingegen „ansprechender“ finde als an SPUR Ultraspeed Vario, sind die „unwahrscheinlich“ hohen Push-Empfindlichkeitswerte, die auf der Entwicklungstabelle (http://www.spuer-sinn.net/blog1/wp-content/uploads/2013/05/EntwicklungszeitenHCDnew130508.pdf) angegeben sind, leider jedoch nicht der Wirklichkeit entsprechen. Spass beiseite: Ich finde den ausgezeichneten Artikel „Filmempfindlichkeit – Mythos und Wirklichkeit“ von Heribert Schain ausgesprochen erhellend, insofern Filmempfindlichkeit und Push-Technik betroffen sind.

Ein bedeutender Unterschied zwischen HCD new und SPUR Ultraspeed Vario besteht für mich tatsächlich in den Datenblättern. Das Datenblatt des Ultraspeed Vario mit den Kontrastangaben von SPUR gefällt mir wesentlich besser als die einfachen Angaben “feines, normales und starkes Korn” etc. in der HCD-Entwicklungstabelle. Seitdem ich mit SPUR Ultraspeed Vario arbeite, bevorzuge ich für meine Art der Fotografie inklusive Nachbearbeitung hauptsächlich N-1. Auf der anderen Seite kann ich dank der Kontrastangaben in meinen Fotos genau die Stimmung bzw. den Charakter herausarbeiten, der mir vorschwebt. Das ist sozusagen das Tüpfelchen auf dem i.

Ich zeige an dieser Stelle zwei Bilder vom selben Motiv, die am selben Tag mit derselben Kamera und demselben Film aufgenommen und mit demselben Entwickler – Ultraspeed Vario – entwickelt worden sind. Der Belichtungsunterschied beträgt zwei Blenden: die erste Aufnahme ist bei 18% Graureflexion auf die Schatten belichtet, und die zweite ebenfalls bei 18% Graureflexion auf das Sonnenlicht. Die Aufnahmen mögen als Beweis dienen, dass die dynamische Kapazität des Entwicklers exzellent ist:

SPUR Ultraspeed Vario-Erste Eindrücke

© 2014 Lars-Göran Hedström. All rights reserved. Aufgenommen mit Leica M4-P, Elmarit 28/2,8 ASPH. Agfa APX 100 @ ISO 50/18° auf die Lichter belichtet. Entwickelt in SPUR Ultraspeed Vario 1+40. Entwicklungszeiten: 4 Minuten (Erstentwickler) + 4 Minuten (Zweitentwickler). Zum Vergrößern klicken

SPUR Ultraspeed Vario-Erste Eindrücke

© 2014 Lars-Göran Hedström. All rights reserved. Aufgenommen mit Leica M4-P, Elmarit 28/2,8 ASPH. Agfa APX 100 @ ISO 50/18° auf die Schatten belichtet. Entwickelt in SPUR Ultraspeed Vario 1+40. Entwicklungszeiten: 4 Minuten (Erstentwickler) + 4 Minuten (Zweitentwickler). Zum Vergrößern klicken

Großartig, wie Ultraspeed Vario mit dem Belichtungsunterschied klarkommt: ein sehr dynamischer und flexibler Entwickler. Die von mir angepeilten Tonwerte kann ich nunmehr allein durch unterschiedliche Belichtung einer einzigen Filmrolle bei Verarbeitung mit einem einzigen Entwickler erreichen!

Ultraspeed Vario ist ein Entwickler, mit dem man hervorragend nach dem Zonensystem arbeiten kann, und mit dem man bei jeder Entwicklung gleichbleibend schöne, auf den jeweiligen individuellen Geschmack zugeschnittene Ergebnisse erhält. Inzwischen arbeite ich in der Haupsache mit Ultraspeed Vario. Obwohl ich beim Ultraspeed Vario mit Erst- und Zweitentwickler hantieren muss, nimmt eine Standentwicklung vergleichsweise weniger Zeit in Anspruch als bei der Verarbeitung mit SPUR ACUROL-N. Beim Entwickeln können im Vergleich unter Umständen etwas mehr Spritzer entstehen. Die App „Darktimer 2“ für mein iPhone 5 leistet mir bei der Filmentwicklung ebenfalls ausgezeichnete Dienste.

Im folgenden möchte ich darauf eingehen, warum ich die Filmfotografie weiterhin bevorzuge, namentlich mit Bezug auf den wahrgenommenen dynamischen Bereich. Ich bin der gleichen Befürchtung wie der hochbegabte malaysische Fotograf Ming Thein, die er auf seinem Blog in dem englischsprachigen Artikel „A digital B&W epiphany“ sehr aussagekräftig beschreibt. Nebenbei bemerkt verdanke ich es Ming, dass ich meine Negative nunmehr mit der Kamera einscanne. Er selbst benutzt hierfür eine Nikon D800, während ich die neue Sony Alpha 7R verwende. Mein einziger Kritikpunkt an den davon abgesehen technisch und künstlerisch herausragenden Werken von Ming Thein ist, daß er seine Bilder in der Nachbearbeitung meiner Meinung nach tendenziell überschärft.

Mings These zufolge ist der wahrgenommene dynamische Bereich in der Film-Fotografie das Ergebnis von Nicht-Linearitäten innerhalb der Silberhalogenid-Emulsion an sich. Diese Nicht-Linearitäten verhalten sich ferner als eine Komprimierung verschiedener Zonen. Der dynamische Bereich ist hier nicht etwa weiter als in der Digitalfotografie, sondern er ist lediglich anders strukturiert und entspricht eher unserer menschlichen Wahrnehmung. Möglicherweise bevorzuge ich daher CCD-Bildsensoren über die weit verbreitete und technisch überlegene CMOS-Sensor-Technologie. CCD-Sensoren verhalten sich im Unterschied zu CMOS nicht-linear und verhalten sich somit in ungefähr wie analoge Klänge im Vergleich zum Digital-Sound.

Ich warte bereits gespannt auf Belichtungs- und Entwicklungsanweisungen von SPUR für meine neun im Kühlfach lagernden Rollen Kodak Tmax P3200 in Ultraspeed Vario. In der Zwischenzeit werde ich wohl einige Rollen Ilford Delta 3200 auf ISO 1600/33° pullen. Bisher habe ich Kodak Tri-X 400, Tmax 400 und auch Agfa APX 100 und 400 in Ultraspeed Vario entwickelt. Die Ergebnisse sind in meinen Augen unter technischen Gesichtspunkten ganz exzellente Schwarzweissaufnahmen. Meine Favoriten sind zur Zeit die Film-/ Entwicklerkombinationen Kodak Tri-X 400 und Agfa APX 100 in SPUR Ultraspeed Vario unter gleichzeitiger Verwendung von SPUR Ultrafix N und Plus H.

Lars-Göran Hedström

sculptingwithlight.blogspot.com

Deutsche Übersetzung des englischsprachigen Originaltexts: Anita Schain.

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